Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #2

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

hallertau.de
Special von hallertau.de, Dezember 2, 2019

Teil 2

Das Ding lag auf dem Stahltisch in der Münchner Rechtsmedizin, als sei es geradewegs vom Himmel gefallen. Kommissar Reineder hatte in seinen mittlerweile 14 Dienstjahren schon manchen Toten gesehen, aber dieser Anblick war überraschend unbehaglich. Es handelte sich um eine Hand nebst Unterarm, die da mit der Handfläche nach oben, blaubleich auf dem Autopsietisch lag. Die Finger waren leicht gekrümmt, als flehten sie eine unbekannte Macht um Beistand an. Eine linke Männerhand mit kantigen Fingern, auf deren Rückseite einige dunkle Haare sprossen. Reineder betrachtete sie misstrauisch.

„Hu“, machte Bibi neben ihm, „des Ding ist gruseliger als jede Leiche!“

Bibiana Berg, genannt Bibi, 42 Jahre alt, mit einem Kopf voller Locken wie rostige Putzwolle, war seit Reineders Versetzung in die Hallertau vor drei Jahren seine engste Kollegin. Sie war ihm an Dienstjahren überlegen, stand im Rang aber unter ihm. Was damit zu tun hatte, dass sie die Klappe auch dann nicht halten konnte, wenn es taktisch klüger gewesen wäre. „Die schaut ja aus, als würde sie jeden Moment nach etwas grapschen.“

Dr. Reinhold Lutz, Rechtsmediziner, zog den Mundschutz unters Kinn und schnäuzte sich die Nase. „Wie das eiskalte Händchen aus der Addams Family, meinen Sie?“ Jetzt erschien auch vor Reineders innerem Auge das Bild einer abgetrennten Hand, die auf allen fünf Fingern über den Autopsietisch krabbelte. Er blinzelte. „Was können Sie uns zum Todeszeitpunkt sagen?“, flüchtete er sich in die kriminale Routine.

„Sie moana, wie lange diese Extremität und der dazugehörige Körper bereits voneinander getrennt sind?“ Der Rechtsmediziner wiegte den kahlen Schädel. „Schwer zu sagen. Die Hand war längere Zeit kühl gelagert. Ob im Freien oder in einem Kühlfach, lässt sich nicht sagen. Immerhin herrschen schon seit über zwei Woche Temperaturen um den Gefrierpunkt bei Ihnen in der Hallertau. Allerdings gehe ich davon aus, dass man sie irgendwo draußen verbuddelt hat. Sehen Sie hier.“ Er deutet auf ein paar Vertiefungen am Handgelenk. „Die hat a Vieh irgendwo ausgebuddelt und verschleppt.“

„A Hund?“

„Den Zahnabdrücken nach tipp i eher auf eine Wildsau.“
Reineder schloss kurz die Augen und sah ein Borstenvieh vor sich, dem eine menschliche Hand aus dem Maul ragte. Der Mediziner schnäuzte sich erneut. „Der Besitzer der Hand ist männlich und circa 35 bis 45 Jahre alt. “ Er deutete mit seinem silikonbehandschuhten Finger auf das einsame Objekt des Interesses. „Die Schätzung ist natürlich angesichts des Mangels an Material, das zur Verfügung steht, etwas unpräzise. “ Die buschigen Augen des Rechtsmediziners zogen sich zusammen. „Geschieden und vermutlich kein ganz armer Mann“, orakelte Lutz. Bibi verdrehte die Augen. Sie hasste es, wenn Dr. Lutz den Sherlock markierte. Reineder hingegen machte die Sache Spaß. Wie zum Teufel war der Mann schon wieder zu diesem kühnen Schluss gelangt?


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.