Wolnzachs Jugend und das Comeback der Blasmusik

„Vereinsleben“ ist uninteressant, ein Instrument zu spielen ist out und Blasmusik ist bloß was für alte Leute. Aber stimmt das wirklich? Ich habe bei der Nachwuchskapelle Wolnzach nachgefragt.

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Feature von hallertau.de, Juli 16, 2019

Immer weniger Kinder und Jugendliche interessieren sich für Musik und das Erlernen von Instrumenten wie Klarinette, Trompete und Co. Sie sitzen lieber den ganzen Tag über dem Handy, am Computer oder vor dem Fernseher –  so zumindest das Credo zum Thema Jugend in Musikvereinen. Na klar, seit Jahrzehnten schon „wird die Jugend immer schlimmer“, interessiert sich nur noch für Snapchat und Instagram. Aber haben diese Klischees überhaupt etwas mit der Realität zu tun? Einer Studie zufolge musizieren  30 Prozent der 17-Jährigen in Deutschland. 2005 waren es noch 19 Prozent. Tatsächlich interessieren sich also immer mehr junge Leute für die Musik. Auch ich selbst, als Mitglied der Marktkapelle Wolnzach, stelle fest, dass wir wieder eine relativ hohe Anzahl an Neuzugängen haben. Ich habe unsere „Neuen“  eine Probe lang begleitet, fotografiert und sie zwischen Notenblättern und Instrumentenkoffern gefragt: Warum lernst du eigentlich ein Instrument? Und warum bist du ausgerechnet Teil der Marktkapelle?

Über mich:

Mein Name ist Veronika Müller, ich bin Schülerin der 10. Klasse am Hallertau-Gymnasium in Wolnzach. Ich bin passionierte Hobbyfotografin und Klarinettistin und durfte mich eine Woche lang im Rahmen eines Schülerpraktikums bei hallertau.de austoben. Nach meinem Abi möchte ich entweder Filmproduktion oder Fotografie studieren.

Johanna

… ist eines der jüngsten Mitglieder in der Nachwuchskapelle Wolnzach und spielt seit zweieinhalb Jahren Trompete. Am Anfang wollte sie eigentlich – wie ihre große Schwester auch – Klarinette lernen und hat es auch ausprobiert; am Ende war es ihr aber doch zu kompliziert. Deswegen hat sie sich für die Trompete entschieden. Für sie war es klar, dass sie bei der Marktkapelle spielen will, weil auch ihre Schwester dort begeisterte Instrumentalistin ist. Am Schönsten findet sie, dass man in der Probe neue Freunde treffen kann und zusammen als Gemeinschaft Musik macht.

Vroni

… ist genau wie Johanna einer der Neuzugänge in der Jugendformation der Marktkapelle Wolnzach. Für die Trompete hat sie sich vor zweieinhalb Jahren entschieden, vor allem, weil dieses Instrument im Gegensatz zu Klarinette, Saxofon, Piccoloflöte, Tenorhorn und Klavier in der Familie noch nicht vertreten war und “weil`s halt schön klingt“. Für sie war es selbstverständlich, bei der Marktkapelle zu spielen, weil ihre Mutter und zwei Geschwister schon lange Mitglieder sind und sie deswegen schon oft auf Festzügen, Konzerten und Volksfesten mit dabei war. Am besten gefällt ihr, dass sie in der Probe viele Leute trifft, die genauso viel Spaß an der Musik haben wie sie selbst. Auch die kleinen Ausflüge, z. B. zum Eisessen mit den Freunden aus der Kapelle, mag sie sehr gerne.

Jonas

… hat 2013 die Marktkapelle bei der Nachwuchswerbung in der Grundschule gehört und beschlossen, dass er Tenorhorn lernen will. Für den Unterricht kam niemand anders als diejenige, die ihn für das Instrument begeistert hatte, in Frage: Die Marktkapelle musste es sein! Als „Taferlbua“ war er u.a. 2014 auch mit auf dem Hopfenfest in Poperinge, der belgischen Partnerstadt Wolnzachs, aber auch auf unzähligen anderen Festzügen. Der Ausflug ins Ausland ist eine Erfahrung, die er sogar einigen seiner „erfahreneren“ Musikkollegen aus der Stammkapelle voraushat. Am wichtigsten sind für ihn trotz allem immer noch das gemeinsame Musizieren und die unvergesslichen Ausflüge – z. B. zum Wasserskifahren.

Lisa

… gehört mit ihrer Querflöte schon etwas länger zur festen Besetzung sowohl der Nachwuchs- als auch der Stammkapelle. 2013, also vor sieben Jahren, hat sie angefangen, sich für das Erlernen eines Instruments zu interessieren. Beim Ausprobieren ist sie auf die Querflöte gestoßen, die ihr wegen ihres Klanges und ihrer Vielfältigkeit sofort gefallen hat.  Die Frage, wo sie denn Musikunterricht nehmen könnte, war schnell beantwortet –  ihr Vater hatte bereits in der Marktkapelle gespielt und ihr schon viel Gutes und Lustiges über den Verein erzählt. In den Jahren, in denen sie bei der Jugend gespielt hat, waren der Sankt-Martins-Umzug, die zahlreichen Konzerte, das Eisessen und natürlich die Proben wunderbare Erfahrungen für sie. Jetzt bei den „Großen“ sind die Festzüge, Konzerte und natürlich die Volksfestauftritte großartige Erlebnisse der Gemeinschaft und des gemeinsamen Musizierens.

Matthias

… ist der große Bruder von Vroni und kommt deshalb aus derselben sehr musikalischen Familie. Er hat sich vor drei Jahren für das Tenorhorn entschieden, weil ihm der Klang und die Spielweise von Blechblasinstrumenten sehr gefällt und „weil as Klavierspielen langweilig geworden ist“. Die Marktkapelle kannte er schon von seiner Mutter, großen Schwester und ihren zahlreichen Auftritten auf Konzerten, Volksfesten und Umzügen in der Region. Das Schönste am Musizieren ist für ihn, wie für die meisten Vereinsmitglieder, die Gemeinschaft und das Kennenlernen anderer junger Leute, die das gleiche Interesse und den gleichen Spaß an der Musik haben.

Luzia

… ist einer der „alten Hasen“ der Nachwuchskapelle und eine der wenigen Klarinettisten/-innen. Die Klarinette hat sie bereits von ihrer Mutter gekannt und war schon lange von den vielen Klappen und dem weichen, aber auch manchmal scharfen Klang fasziniert. Weil einige ihrer Freunde schon in der Kapelle waren und sie ein paar Konzerte des Vereins besucht hat, die ihr gut gefallen haben, wollte sie unbedingt auch dort mitspielen. Zuerst hat sie aber 2014 die Bläserklasse ihrer Schule besucht und dort den ersten Umgang mit dem Instrument gelernt, wollte aber nicht mit dem Musikspielen aufhören, als diese aufgelöst wurde. Für sie ist es immer ein schönes Erlebnis, „wenn sich ein anfangs schwieriges Lied nach langem Üben und Proben endlich super anhört – und natürlich die gute Stimmung nach einem gelungenen Auftritt“.

Dass Blasmusik also bloß was für ältere Semester ist und keiner mehr Interesse an Instrumenten hat, ist zumindest hier in Wolnzach absolut nicht der Fall. Die Nachwuchskapelle Wolnzach setzt ein klares Gegenbeispiel und motiviert mit ihren öffentlichen Auftritten immer mehr Kinder und Jugendliche, sich auch selbst an das Erlernen eines Instrumentes zu trauen. Ausgeschlossen wird niemand – die gemeinsame Leidenschaft für Musik verbindet. Und zusammen macht das Musikspielen noch viel mehr Spaß als alleine.