Mein Lieblingsort in der Hallertau #10: Das Wallfahrtskirchlein auf St. Anton

Heute entführe ich euch zu einem Platz von fast unwirklicher Schönheit. Auf meiner Tour spüre ich dem Geist von „St. Anton“ bei Ratzenhofen nach.

Simone Huber
Feature von Simone Huber, Mai 28, 2020

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden!

Ein Stück Hallertau wie aus dem Bilderbuch

In diesen Zeiten, wo Vertrautes zerbricht, Festgefügtes bröckelt und Strukturen zerfließen, kann eine Reise, in der Geist und Seele zum Aufatmen kommen, heilsam sein. Auf eine solche Reise begab ich mich kürzlich. Sie hat mir einmal mehr die Augen geöffnet für den Zauber, der unserer Heimat innewohnt. Ist man bereit, sich auf die Landschaft einzulassen, ihr zartes Rufen wahrzunehmen, folgen Dankbarkeit und innere Erfüllung. An einem wunderbaren Tag im Wonnemonat Mai begebe ich mich auf einen Spaziergang in Richtung der Kriegergedächtniskirche „St. Anton“…

 

Was macht den Charme von St. Anton?

Ohne Zweifel – St. Anton verkörpert ländliche Hallertauer Idylle in Reinform. Die Wallfahrtskirche auf dem sanften Hügel ist wie ein Bühnenbild in Szene gesetzt, in perfekter Ästhetik, in perfekter Kulisse. Hopfengärten und Felder so weit das Auge reicht, durchzogen von wunderschönen Spazierwegen und Waldstücken rundum. Üppige Äcker mit wogenden Ähren, grüne Wiesen, saftige Natur. Neben dem Schlossbiergarten der Familie Zierer ist St. Anton ein Wahrzeichen Ratzenhofens und eines der kunstgeschichtlich wichtigsten Denkmäler im Kelheimer Landkreis. Der Biergarten ist übrigens nur einen Katzensprung entfernt und idealer Einkehrpunkt für eine Brotzeit auf dem Heimweg.

Am Eingang der Kriegergedächtniskirche steht geschrieben: „Den Opfern des Krieges geweiht, die Toten mahnen zum Frieden“. Jenen Frieden findet der Besucher dort gewiss. Ist das nicht der ideale Ort für eine altbayerische Wallfahrt? Die von der Kirche und ihrer Umgebung ausgehende Schönheit entwickelt beinahe Sogwirkung. Ein Anblick, von dem man sich einfach nicht loslösen kann. Dem Besucher offenbart sich auf St. Anton die Naturschönheit der Hallertau in geballter Form. Das Rascheln der Blätter, Vogelgesang und der Duft der üppigen Pfingstrosen verstärken den meditativen Charakter der Umgebung. Die ganze Spiritualität dieses Ortes erlebt man wohl erst, wenn man an einem Gottesdienst teilnimmt. Auf St. Anton gedenkt man alljährlich den gefallenen Kriegern des 2.Weltkrieges. Auch Brautpaare gaben sich im Innern der Kirche bereits das Ja-Wort. Bestimmt ein unvergessliches Erlebnis.

Die Feldkapelle – „Zu den 14 Nothelfern“

Ich habe Glück. Heute ist der Himmel besonders „bayerisch“ – weiß blau. Wenige Meter neben der großen Kapelle steht die kleinere Feldkapelle auf der gegenüberliegenden Seite. Weit schweift von dort aus der Blick auf´s sanfte Hallertauer Hügelland. Eine Sitzbank lädt zum Rasten ein. Ich gehe hinein und erblicke sofort das farbenprächtige Steinrelief mit den Vierzehn Heiligen. Zu den drei Nothelferinnen gibt es den Merkvers: „Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm, Katharina mit dem Radl – des san de drei heiligen Madl.“ Ich habe den Eindruck auf St. Anton den Klang der Stille wiedergefunden zu haben, den so viele Dörfer in unserem Landkreis verloren haben.

Wer sich nach einem kleinen „Exerzitien“ im Alltag sehnt, dem seien die Wanderwege rund um Ratzenhofen ans Herz gelegt.

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden!