Lieblingsort in der Hallertau #8: Das Wasserschloss in Train

Train´s Ortsmitte – Der Schlossplatz. Neben dem Zehentstadl, dem kulturellen Zentrum des 2000-Seelen-Dorfes in Niederbayern, steht das altehrwürdige Wasserschloss in kühner Schönheit.

Simone Huber
Feature von Simone Huber, November 24, 2019

Wer durch Niederbayerns Flure zieht, merkt schnell: Alles hat hier mehr Masse. Und scheint damit wahrer, realer. Umgeben von Gewässer, ragt das Schloss empor und heißt den Besucher zwischen Zehenstadtl und dem alten Braustüberl willkommen. Den Eckern ist der Wiederaufbau des im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Schlosses zu verdanken.

Kalter Herbstwind bläst mir um die Ohren. Die braunen Herbstblätter wirbeln um den Schlossplatz herum. Eine Mutter fährt mit ihrem Kinderwagen spazieren. Sie hält vor dem eisernen Gatter. Das Kind späht ungeduldig durch die Gitterstäbe und versucht, einen Blick auf die vorbeischwimmenden Enten zu erhaschen. Ein fast schon ulkiges Bild.

Das Antlitz des Schlosses spiegelt sich im Wasser wie sein Glanz längst vergangener Zeiten. Ich stelle mir vor, wie früher fast täglich Wallfahrer aus entfernten Pfarreien in das kleine niederbayerische Dorf strömten. Nicht ohne Grund. Schließlich beherbergt das Trainer Wasserschloss eine schmucke Rokoko-Kappelle, von der nur die Wenigsten wissen.

Der Zauber vergangener Zeiten

Könnten die Schlossmauern sprechen, hätten sie so einiges zu erzählen. Manchmal wenn ich am Wasserschloss vorbeispaziere, spüre ich ihn förmlich: den Geist der adeligen Damen und Herren, die sich anno dazumal dort ein Stelldichein gaben. Das imposante Hofmarkschloss hat schon so manch berühmte Gestalt gesehen. Der berühmteste unter ihnen, Emanuel Schikaneder, nutzte das Schloss als Quelle der Inspiration. Teile seines Textbuches zur Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ soll er dort verfasst haben. Auch wenn das Schloss seine Glanzzeiten längst hinter sich hat, sehe ich seinen nostalgischen Charme und male mir aus, welche feinen Damen und Herren einst hier hausten und die dicken Mauern mit Leben erfüllten.

Seine Größe hat sich das Schlösschen bis heute bewahrt. Mächtige Adelsherren hielten es früher in Besitz, stolze Rittersgeschlechte leiteten schon seine Geschicke. Ein Steg führt über das kleine Gewässer zum Schlosseingang.

Das Wasserschloss in Train erinnert mich an einen Kraftort: Er ist still. Er ist mächtig. Er ist versteckt, offenbart sich dem Besucher erst nach genauerem Hinsehen. Es ist ein Ort, an dem etwas mit einem passiert. Eine gewisse Mystik ist Teil der Aura des Schlosses. Welch wildwachsende Sagen sich wohl darum ranken?

Wer vom Schloss ein paar Meter weiterwandert, der gelangt über ein kleines Brückerl ins Grüne. Eine einsame Bank lädt zum Innehalten ein. Hochgewachsene Bäume verstärken den gespentischen Eindruck, den das Wasserschloss an diesem Tag vermittelt. Ich lasse den Blick in die Ferne schweifen und erahne sofort die Weite des Abensbergerlandes. Ich fühle mich frei. Eingebunden in die einzigartige Natur. Es ist ein besonderes Erlebnis. Man muss hingehen. Da sein. Der Ort nimmt einen mit.


Mein Lieblingsort in der Hallertau

Klar, Vielfalt ist etwas Schönes. Und doch gibt es manche magische Plätze, die uns immer wieder in ihren Bann schlagen und zu denen wir gerne zurückkehren. Wo man immer wieder gerne auf einen Drink hingeht und alte Bekannte trifft. Ein Weiher, an dem die Uhren einfach ein bißchen anders ticken. Oder ein Winkel, an den wir nur unsere besten Freunde mitnehmen. Diese Rubrik ist nicht nur ein Lieblingsplatz auf unserer Seite, sondern auch ein Ort, um unseren ganz eigenen Favoriten in der Hallertau ein Zuhause zu geben.

Weitere Lieblingsorte

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Mein Lieblingsort in der Hallertau #2: St. Anna Kapelle
Mein Lieblingsort in der Hallertau #3: Die Keltenschanze
Mein Lieblingsort in der Hallertau #4: Starzhauser Brückerl
Mein Lieblingsort in der Hallertau #5: Der Barthelmarktplatz
Mein Lieblingsort in der Hallertau #6: Der Biergarten Ratzenhofen
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